Sinn und Unsinn von Seminarbewertungen

Wenn Feedback, dann richtig

Wenn Feedback, dann richtig

Die Bezeichnung Seminar kommt aus dem Lateinischen und kann mit „säen“ übersetzt werden. Wenn man über diese Bedeutung nun nachdenkt, erschließt sich auch gleichzeitig der Sinn eines Seminars. Im Seminar wird der Samen gesät, der Grundstein gelegt. Der Samen wird in Form von Wissen weitergegeben. Was ist das Ziel beim Säen? Sowohl ein Gärtner, als auch ein Trainer im Seminar wünscht sich, dass die Saat aufgeht und im besten Fall Frucht trägt.

Und jetzt fragen Sei sich mal, was der Gärtner wohl macht, wenn er den Samen in der Hand hält? Wird er darüber nachgrübeln, welches der Körner wohl zuerst aufgeht? Wird er darüber nachdenken, aus welchem Samenkorn wohl die größte Pflanze wächst? Wird er darüber nachdenken wie oft er wohl gießen muss und wie viel Pflege die Pflanze nachher braucht? Die Antwort lautet: Wohl eher nein. Aber eines ist sicher: Der Gärtner wird den Samen erstmal in Boden tun. Er gibt damit erst einmal den Startschuss für Wachstum.

Kein Seminarergebnis ohne Anstrengung

Stellen Sie sich mal vor was passiert, wenn der Gärtner sich die Samentüte anschaut. Vielleicht das schöne Bild der ausgewachsenen Pflanzen auf der Packung. Während er die Packung auf einen Tisch legt, träumt er von der reichen Ernte. Wie viel wird er wohl ernten, wenn die Packung ungeöffnet auf seinem Tisch liegen bleibt? Sie ahnen es, wahrscheinlich gar nichts.

So stellen sich leider viele Seminarteilnehmer die „Ernte“ oder das Ergebnis von Seminaren vor. So gern auch der ein oder andere etwas anderes hören möchte, aber das Ergebnis von Seminaren ergibt sich nicht durch das besuchen eines Seminars allein. Wer nicht bereit ist den Samen in den Boden zu tun, oder die Inhalte, Impulse und Ideen von Seminaren umzusetzen, braucht erst gar keines zu besuchen.

In Schulen wird meist der Nachdruck auf Wissenskompetenz und nicht auf Umsetzungskompetenz gelegt. Wissen an sich bringt mir aber nicht viel. Erst wenn ich was daraus machen kann, ergibt das Ganze einen Sinn. Unter diesem Aspekt kann man wohl eine ganze Reihe von Seminaren als sinnlos bezeichnen.

Und ja, das bedeutet Arbeit. Und ja, es wird wohl nicht jeder Same die gewünschte Frucht tragen. Aber erst wann kann ich es beurteilen? Natürlich nur wenn ich die Dinge ausprobiere und tatsächlich tue.

Ausrede Feedbackbogen

Auch wenn ich persönlich meist sehr zufrieden bin mit dem Feedback meiner eigenen Seminare, habe ich im Laufe der Jahre eine erstaunliche Beobachtung gemacht. Feedbackbögen werden als Ausrede genutzt. Der Feedbackbogen wird dafür missbraucht, um zu zeigen warum der Teilnehmer das Gelernte nicht umsetzen möchte, also warum er den Samen nicht in den Boden tuen möchte. Das ist äußerst kurios, denn wie will ich denn Inhalte, Ideen oder Impulse beurteilen, wenn ich diese noch nie umgesetzt habe.

Es ist oft auch nicht unbedingt angenehm, in einem Seminar zu erfahren, dass man sich ändern muss oder etwas von nun anders machen muss. Ja, wenn eine Pflanze wachsen soll, muss ich sie gießen. Leider trägt die passive Haltung vieler Seminarteilnehmer dazu bei, dass der Spruch „Seminare bringen ja eh nichts“ Wahrheit wird. Und das ist dann sehr schade, denn die Genialität des Einzelnen ist doch eher zu begrenzt, als dass er allein durch eigene Erleuchtung zum Top-Performer wird.

Außerdem leiden schlechte Seminare nicht unbedingt an schlechten Inhalten sondern meistens an der Art und Weise wie gesät wird. Alles auf einen Haufen bringt genauso wenig wie das zu tiefe Eingraben in der Erde. Sprich die Inhalte werden nicht klar und deutlich kommuniziert oder es fehlt einfach an Emotionalität im Seminar. Auch wenn Seminare Arbeit sind dürfen sie Spaß machen. Das ist nicht verboten, auch nicht in Deutschland.

Damit der Feedbackbogen nicht für Ausreden missbraucht wird, ist es sinnvoll nicht die Inhalte bewerten zu lassen. Erstens sind die Inhalte selbst meist nicht das Problem bei schlechten Seminaren und zweitens kann man Inhalte erst dann hinreichend bewerten, wenn ich diese in der Praxis selbst getestet habe.

Feedbackbögen reichen nicht

Selbst wenn in einem Seminar ein oder zwei Dutzend Teilnehmer sind, reicht der Querschnitt der Feedbacks nicht um ein wirkliches Bild über die Qualität eines Seminars zu bekommen.

Die Teilnehmer selbst sind meist nicht in der Lage ein fundiertes Feedback zu den Methoden und der Didaktik des Seminarleiters zu geben. Das wäre so, als wenn die Schüler ihren Lehrer bewerten sollten. In der Schule fällt die Bewertung wahrscheinlich kritischer aus. Die Lust am Lernen ist in der Schule vielleicht noch nicht so stark.

Ein wirklich verlässliches Bild wird nur durch unterschiedliche Feedbackgeber möglich. Einen Seminarleiter, kann am besten ein Seminarleiter beurteilen. Das ist meist schwierig, denn der Seminarleiter ist meist der einzige vom Fach. Wenn es geht sollten für ein abgerundetes Bild auch die Führungskräfte hinzugezogen werden.

Da ja das Ergebnis erst nach dem Aufgehen der Saat, sprich nach der Umsetzung der Inhalte feststeht, ist eine Beurteilung direkt nach dem Seminar auch eher lückenhaft. Statt nur das Seminar zu beurteilen, wäre es sinnvoller die gesamte Maßnahme zu beurteilen. Spannend zu wissen wäre wie die einzelnen Inhalte umgesetzt wurden und was wirklich nicht funktioniert hat oder abgeändert werden muss. Mit einer solchen Beurteilung nähern wir uns auch der viel gewünschten Praxisrelevanz.

Interessant ist übrigens das Phänomen, dass die gleichen Seminarinhalte und die gleiche Performance bei unterschiedlichen Teilnehmer ein anderes Feedback auslöst.

Action statt Feedback

Das Ziel eines Seminars sollte also sein, die Inhalte umzusetzen und vor allem Lust daraus zu machen. Das Ziel ist erreicht, wenn die Teilnehmer rausgehen und es gar nicht erwarten können loszulegen.

Für den nachhaltigen Seminarerfolg ist es essentiell die Teilnehmer ins Handeln zu bringen. Eine wirksame Methode ist es genau das abzufragen. Also die simple Frage an die Teilnehmer zu richten, was und wie sie die Inhalte nun umsetzen wollen. Manchmal macht es sogar Sinn zu fragen, wann denn nun der Samen gesät wird, wann die Teilnehmer also anfangen wollen. Häufig werden nämlich gute Vorsätze aus Seminaren zu lange hinausgeschoben.

Ein solcher „Action-Fahrplan“ hat den Vorteil, dass der Trainer hier noch die Möglichkeit hat einzuhaken und Hilfestellung zu geben. Außerdem ergeben sich in der Gruppe noch zusätzliche Ideen und Möglichkeiten. Am Ende stärkt es natürlich auch die Motivation durch das Gemeinschaftsgefühl. Ein positiver Gruppenzwang entsteht wenn nicht mehr nur der Einzelne sagt „ich probiere das mal“, sondern alle gemeinsam sagen: „Los, packen wir es an”.

— Posted on Juli 2, 2015 at 10:35 am

  • Bernd

    Toller Beitrag! Weiter so!

    • tobiasain

      Danke schön!

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